Salettl im Karl-Bauer-Park

Das Gartenhaus der Äbtissin

Ein barockes Kleinod erinnert an die einstmals reiche Gartenkultur Regensburg

Salettl ©Die Kulturoptimisten

Das Salettl im Karl-Bauer-Park ©Die Kulturoptimisten

Regensburg. Einer der äl­tes­ten be­leg­ten Vorstadtgärten Re­gens­burgs ist der Obermünster­gar­ten, den man seit 2011 als Karl-Bauer-Park kennt. Darin steht ein besonderes Kleinod: Das Salettl.
Wie der ursprüngliche Name schon erahnen lässt, gehörte der Garten einst dem Stift Obermünster. Des­sen Äbtissin ließ hier in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts das Salettl errichten, ein kleines, elegantes Gar­ten­haus im ita­li­enischen Stil. Es diente den Stiftsdamen als Sommer­residenz und bot damals einen un­ver­bauten Blick über die gesamte Stadt. Besonders charakteristisch ist die hölzerne Freitreppe, die den Zu­gang zum zweiten Stock ermöglicht – ein typisches Merkmal für die Gar­tenhäuser jener Zeit. Im Oberge­schoss befindet sich ein einstmals reich bemalter Mini-Festsaal, dem das Salettl seinen Namen verdankt; das italienische saletta bedeutet Sälchen.
Eingebunden in die historische West­mauer des ehemali­gen Ober­müns­tergartens ist das Sa­lettl bis auf geringe Umbauten in der Bie­der­meierzeit in seiner ur­sprüng­lichen Substanz erhalten.

Das Salettl von Osten, vor der Sanierung ©Bilddokumentation Stadt Regensburg

Das Salettl von Osten, vor der Sanierung ©Bilddokumentation Stadt Regensburg

Die Kanonissinnen von Obermünster konnten sich allerdings nicht allzu lange an ihrem sommerlichen Rück­zugsort erfreuen. Nach der Säkulari­sa­tion erwarb 1813 der Geheime Rat Ale­xan­der von Westerholt das Areal. Auch er nutzte es als Sommerdomizil und empfing dort prominente Gäste wie Carl von Dalberg oder Johann Michael Sailer.

Als 1892 nebenan die städtische Ar­men- und Versorgungs­an­stalt errich­tet wurde, wurde das Grund­stück an die Stadt verkauft, die aus dem Salettl eine Gärtnerwohnung mach­te. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahr­hunderts stand das Salettl leer und ver­fiel zusehends. Mehrere Pläne zur Umnutzung, darunter die Idee eines Kindergartens oder eine Versetzung ins Freilichtmuseum Tittling, schei­ter­ten. Nach mehreren Ein­brüchen und einem Brand 2006 wurden die Ge­bäu­deöffnungen ver­mauert.
Ab 2009 bemühte sich der Kumpf­müh­ler Geschichts- und Kulturverein um eine Rettung des historischen Bauwerks. Und hatte schließ­lich Er­folg! 2015/16 wurde das Salettl reno­viert, erstrahlt nun in neu­em Glanz und erinnert an die einst­mals reiche Gartenkultur Re­gens­burgs. Heute dient das Erdgeschoss den städti­schen Gärtnern als Aufenthalts­raum, während das Sälchen im Ober­geschoss für kultu­rel­le Veranstaltun­gen vermietet wird.

Der Garten, zu dem keine Aufzeich­nungen existieren, wurde ver­gleich­baren Barockgärten nach­emp­fun­den: Eingefasst in eine knie­hohe Buchs­hecke schmücken rechteckige Beete mit Blumen- und Blattschmuck, der bereits in der Ba­rockzeit en vogue war, das Areal.

Salettl im Karl-Bauer-Park

Kumpfmühler Str. 56

93051 Regensburg